Zwei, die ihr Fach absolut verstehen. Sie beeindrucken sowohl durch ihre Virtuosität als auch durch Bühnenpräsenz. Beflügelt vom jungen Partner-Glück, liefert das Paar bei den Auftritten geradezu brillante Leistungen ab. Gefördert durch berühmte Branchenkollegen wie die Cellistin Natalja Gutman und den Pianisten Leonid Brumberg, wurden sie bereits früh in die größten Konzertsäle der Welt verpflichtet – darunter die New Yorker Carnegie Hall. Ein Super-Mix von Mode und Musik.
Die Welt
Das Konzert zeigte, wie intensiv Cello und Klavier verschmelzen können, wenn die Partner sich blind verstehen. Ob bei Ludwig van Beethoven, dem selbstbewusst erkorenen Namenspatron, oder Sergej Rachmaninov, dessen g-Moll-Cellosonate man hier förmlich neu entdeckte. Alina Kabanova – in Münster nicht unbekannt – brilliert auf Augenhöhe selbst dort, wo die Partitur nur helle Spotlights auf die Cellostimme zu legen scheint. Ihr Fedor weiß das zu schätzen: Der Gegensatz zu jenen Cello-Stars, die mit pianistischen Privatsekretären durchs Land reisen, könnte kaum größer sein. Solche Lesart verlangt Beethovens Brio, und seine Cellosonaten sind bei diesem Power-Paar in besten Händen. Schon die ersten Adagio-Takte von Opus 5 Nr.2 zeigen an: Keine Gefühlsduselei, sondern expressive Sanglichkeit. Die kommt am schönsten im Adagio cantabile der A-Dur-Sonate op.69 heraus. Dabei ist Fedor Elesin kein Apostel der schönen Kantilene. Mit quecksilbriger Bewegung forscht sein Bogen in jedem Takt nach dem rechten Ausdruck. Und wenn der mal kratzt, dann ist’s halt so. Technische Hürden gibt es nicht für dieses Duo, das im Finale einen furiosen Wirbel entfacht.
Rachmaninov klingt noch besser. Der eher hell getönte Ton Elesins kontrastiert schön mit Kabanovas dunklem Legato, das dem notorischen Moll-Komponisten so gut steht. Das ruppige Grummeln des Allegro scherzando wird einem förmlich unter die Haut injiziert; und im langsamen Satz gerät das russische Melos in jenen leidenschaftlichen Fluss, wo Taktstriche nichts mehr zählen. Bringt nach zwei Stunden Funkenflug die Zugabe Entspannung? Nichts da, Astor Piazzolla lässt bitten! Wo wäre Tango-Erotik besser aufgehoben als bei diesen beiden energiegeladenen Musikern…
Westfälische Nachrichten
